One-Way von La Rochelle nach Sardinien

10th Dez 2019

Ein Segelerlebnis im Mittelmeer auf dem Weg von La Rochelle nach Sardinien.

Unsere #MoreWomenAtSea-Markenbotschafterin Anna Mourou, Gründerin des erfolgreichen Seemannsnetzwerks She Captain, teilt ihre Erfahrungen im Vorfeld ihrer dreijährigen Weltumsegelung, die im nächsten Jahr beginnt. Wir trafen Anna, um mehr über ihr kürzliches Langstreckensegeln zu erfahren, das einen unserer neuen Katamarane im Mittelmeer zum Einsatz brachte. Sie erklärt, warum auf See alles besser ist.

Ich tendiere dazu, „ja“ zum Abenteuer zu sagen, auch wenn es außerhalb meiner Komfortzone liegt. Dinge zu tun, vor denen man Angst hat, ist ein Teil des Seglerdaseins. Man kann nicht einfach aufgeben, wenn etwas schief geht – man muss eine Lösung finden und die Belohnung im Nachhinein ist dann umso größer.

Als Dream Yacht Charter mich fragte, ob ich einen brandneuen Lucia 40 Katamaran aus der Werft in La Rochelle, Frankreich an die Basis von Dream Yacht Charter in Sardinien in Italien, liefern könnte, stimmte ich direkt zu. Die Frage, ob ich schon einmal in diesem Gebiet segelte, verneinte ich. Und ein paar Urlaubssegel-Momente im Mittelmeer zählen nicht wirklich. Aber ich bereite mich auf eine Weltumsegelung ab nächstem Jahr vor und bin mein ganzes Leben lang auf der Ostsee gesegelt, also dachte ich, wie schwer kann es schon sein?

Vorstellung meiner Crew

Meine Crew war sorgfältig ausgewählt, schwedische Seglerinnen, die ich durch She Captain kannte. Einige waren erfahrene Segler wie meine Co-Skipperin Jeanette Johansson, die die Planung für diese Reise weitgehend übernommen hatte. Aber ich hatte auch einige Damen an Bord, die zu einem erfolgreichen Segeltörn und tollen Momenten beitragen würden. Jessica Carlsson und Mia Ingelström waren zwei davon – solide, sachkundig und immer bereit für neue Abenteuer. Ich hatte auch meinen Mini-Skipper an Bord, meinen sechsjährigen Sohn, Olof mit seiner Vorliebe für Segeln und Vulkane.

Mein erster Erfahrungseindruck war, dass auf See alles anders aber besser ist. Das Essen schmeckt vorzüglicher, der billige Wein wird zum Gauemenschmaus, ein Sundowner ist wie ein kleines Stück Paradies, die Landschaft ist immer faszinierend und darüber hinaus fühlen Sie sich ermächtigt, nachdem Sie Ihr Boot den ganzen Tag über gehandhabt haben. Lesen Sie weiter, um herauszufinden, wie ich vorankam…..

La Rochelle nach Cascais, Lissabon, über den Golf von Biskaya

Wir machten uns früh auf den Weg für sechs Tage nonstop nach Lissabon. Der Golf von Biskaya hat uns mit guten Winden und angemessenen Wellen seine volle Stärke bewiesen. Die Nächte waren jedoch stockdunkel und ich habe noch nie Nachtsegeln während eines Neumondes erlebt.

Nach fast drei Tagen überquerten wir den Atlantik und wechselten alle drei Stunden unsere Schichten in Zweierteams. Mit sechs Besatzungsmitgliedern an Bord, konnten wir uns dementsprechend gut erholen und etwas Schlaf geniessen. Wir mussten die Fischernetze vor der portugiesischen Küste abwägen. Unsere Recherchen besagten, dass man außerhalb der 200m Tiefenlinie segeln sollte, und das funktionierte perfekt, indem man sich von Netzen fern hielt. Aber Ausnahmen bestätigen die Regeln!

In der Nachtschicht spürten wir etwas im Propeller und legten beide Motoren sofort in den Leerlauf. Es war drei Uhr morgens und im Dunkeln konnten wir etwas hinter dem Boot sehen. Ich legte die Rettungsleine an, tauchte meine Arme in das pechschwarze Atlantikwasser und fühlte ein starkes Nylonseil. Ich nahm den Bootshaken, um ihn vom Propeller zu entfernen, und er löste sich! Wir zogen ein Stück von einem dicken Seilfangnetz auf das Deck. Ich habe solche Netze noch nie gesehen und konnte mir nur vorstellen, was hätte passieren können, wenn wir den Motor nicht so schnell in den Leerlauf geschaltet hätten.

In Cascais, Lissabon, angekommen, wurde ich wieder daran erinnert, wie wunderbar sich Land anfühlen kann. Meine Beine fühlten sich wackelig an als ob sich die Oberfläche, auf der ich ging, bewegte und ich hatte das Gefühl auf dem Wasser zu treten.

Cascais ist ein moderner Yachthafen mit allen Einrichtungen, die Sie brauchen, also ein perfekter Halt an der europäischen Küste. Als wir ankerten, bekamen wir Zuschauer, denn eine Frau am Steuerruder auf einem Katamaran und eine feminine Crew ist nicht so häufig. Ich bin so nervös – wenn ich es vermassle, verbreitet sich das falsche Bild, dass Frauen keine Boote fahren können. Dennoch ist das Anlegen immer noch meine Lieblingsbeschäftigung!

Wir verbrachten  36 Stunden in Cascais mit Wäsche waschen, Bootsreinigung, Motorservice und einem schönen Abendessen und diversen Drinks. Cascais ist wunderschön mit engen Einkaufsstraßen und portugiesischer Architektur. Sie hat eine historische Atmosphäre und ist gleichzeitig eine moderne Stadt. Wir verbanden uns mit einigen anderen Seglern und sozialisierten uns auf einem schönen 65ft hölzernen Yawl.

Segeln in Cascais, Lissabon nach Gibraltar 

Der große Unterschied zwischen dem Überführungs-Segeln und dem normalen Segeln ist der Zeitplan. Bei 5-6 Knoten blieben uns nicht mehr als 36 Stunden Landgang pro Halt. Wir sind von Lissabon aus nach Gibraltar aufgebrochen, was wie eine leichte Überfahrt innerhalb von drei Tagen aussah. 

In der Nähe der Straße von Gibraltar wehten Winde von Osten her, ein 25kt direkter Bugwind. Die Wellen waren hoch und wir gingen von 6kt auf 1kt in jeder Welle. Wir beschlossen, den Kurs zu ändern und ein paar Stunden in Barbate auszuruhen, wo alle Schiffe nach heftigen Winden ihre Besatzungen wieder aufluden. Wir tankten Wasser, Batterien und Schlaf und fuhren am nächsten Morgen um 3 Uhr los.

Der Ozean war absolut still, als wir in die Bucht von Gibraltar erreichten. Wir tankten Diesel (billiger als in Portugal) und fuhren zum Queensway Quay Marina, nachdem wir im Voraus gebucht hatten. Zur Seilbahn auf den Gipfel des Felsens sind es nur wenige Gehminuten. Die Aussicht vom Felsen aus war großartig und die Affen zeigten sich von ihrer besten Seite.

Segeln von Gibraltar nach Palma, Mallorca

Am ersten Morgen nach der Abreise aus Gibraltar wachten wir mit Saharasand bedeckt auf und leuchteten in orangefarbener Gestalt in der Luft. Wir segelten entlang der spanischen Küste und konnten die Landschaft und die Berge genießen (ohne Fischernetze!).

Wir hatten einen Liegeplatz bei La Lonja Marina in Palma reserviert, in der Nähe des Zentrums und der Kathedrale. Wie echte Matrosen, begannen wir damit, den Saharasand und das Salz vom Schiff zu entfernen. Wir schlenderten durch die schönen Straßen rund um die Kathedrale, genossen Eis und passten uns dem Leben auf dem Land an. Der Einkauf von Damenmode ist in Palma erstaunlich.

Wir aßen im Restaurant Azabache zu Abend, das uns vom Hafenkapitän empfohlen wurde und genossen die köstliche Tapas. Die Bar Abaco ist ein absoluter Muss mit üppiger Dekoration und tollen Getränken. Später tanzte ich Salsa nonstop bei Malecon 27, einer kleinen Bar mit wirklich guten Tänzern.

Von Palma de Mallorca, nach Olbia, Sardinien, via Maddalena

Wir verließen Palma am frühen Morgen für eine dreitägige Überfahrt nach Sardinien. Die Winde waren ruhig und die Aussicht atemberaubend mit hohen Bergen, die bis ins Wasser abfallen. Wir hielten in Port Soller an, einer der wenigen geschützten Buchten an der Nordküste Mallorcas, bevor wir die Nacht mit dem Anblick von Delfinen im mondhellen Mittelmeer verbrachten.

Als wir uns Sardinien näherten, strebten wir eine Nacht lang einen Ankerplatz auf den Maddalena-Inseln an, einem Archipel türkisfarbener Lagunen, verlassener Inseln und den himmlischsten Stränden Sardiniens. Wir machten uns auf den Weg nach Porto Palma, einer der größeren, gut geschützten Buchten der Insel, und kamen vorbei an viele lokale italienische Boote die uns zuwinkten, als wir vorbei segelten. Wir verbrachten einen schönen letzten Abend an Bord, schwammen im Sonnenuntergang, aßen ein tolles Abendessen, unterhielten uns und tanzten.

Unsere letzte Etappe war nur ein paar Stunden überfahrt und wir machten uns früh auf den Weg, um Olbia zu erreichen. Wir segelten in aller Ruhe entlang der spektakulären Küste nach Süden und durch den Golf von Olbia, der für seine Muschel- und Austernzucht bekannt ist.

Wir erreichten die Basis von Dream Yacht Charter in Olbia, eine Reise, die uns 1870 Seemeilen in 18 Tagen beschert hatte. Das war nun vorbei. Es fühlte sich so seltsam und traurig an, sich von diesem erstaunlichen Katamaran, AKIALOA, zu verabschieden, der nun „Zuhause“ war. Ich bin so dankbar für die Erfahrung, die mir diese Überfahrt bescherte. Das gesamte Dream Yacht Charter Team ist wirklich bestrebt, #MoreWomenAtSea zu unterstützen, und ich bin so stolz darauf, eine treibende Kraft in dieser Bewegung zu sein!